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German-Trailhounds

Ausbildung & Vermittlung

Immer wieder hört man heutzutage auf Schlittenhunderennen Stimmen, welche Behaupten, der Hound wäre ein “moderner” Schlittenhund und störe das Bild des “typischen” Schlittenhundes. Dieses entspricht nicht den Tatsachen! Folgender Text wird Ihnen die “Wahrheit” etwas näher bringen. Zusätzlich möchte ich erwähnen, dass der Hundetyp ansich sogar bis ins Mittelalter zurückverfolgbar ist, nur noch ohne den Einfluß des nordischen Hundetyps. Zur Jagd wurden unter anderen bereits in dieser Zeit Mischlinge aus Wind- und Jagdhunden verwendet.
Lediglich das spätere Einkreuzen nordischer Hunde könnte man als “modern” bezeichnen, wenn das auf die Jahreszahlen zutreffend betrachtet werden mag ;-)

Historisch gesehen ist der Einsatz von Hounds im Schlittenhundesport nichts Neues.
Die ersten Rennen in den “unteren 48 Staaten€ der USA” wurden ausschließlich mit Hounds gefahren. Von 1917 - 61 fand in Ashton, Idaho, alljährlich (mit Ausnahme der Kriegsjahre und einiger wetterbedingter Ausnahmen) das “American Dog Derby€” statt, das schon früh auf teilweise große Publikumsresonanz traf (1921 wurden z.B. 10.000 Zuschauer mit zwei Sonderzügen der Union Pacific Railroad heran gekarrt, um den Wettkampf von sechs Gespannen mitzuerleben).

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1993 haben einige Enthusiasten die langjährige Renntradition neu aufleben lassen und bis heute findet in Ashton das ”American Dog Derby”€ wieder statt. Während sich die Teams heute, wie bei anderen Rennen auch, hauptsächlich aus Alaskan und Siberian Huskies zusammensetzen, wurden die frühen Rennen von Hounds dominiert, die sonst zum Transport der Post im Winter eingesetzt wurden.
“Bird Dogs”€, also englische Vorstehhunde wie Irish Setter, Gordon Setter und Llewellyn Setter  und alle erdenklichen Mischlinge waren die Hunde der Wahl.
Sechs Siege in in elf Jahren konnte allein Tud Kent zwischen 1917 und 1928 mit seinen English Settern und Settermischlingen für sich verbuchen. Mit den Jahren entstand beim Dog Derby eine ganz eigene Zuchtlinie: Der Targhee Hound, benannt nach dem Targhee Pass an der Grenze zwischen  Idaho und Montana.
Die Ursprünge dieser Zuchlinie lassen sich bis zu einem Hund zurückverfolgen, den Tud Kent, der Musher aus Ashton, in einem Tierheim in Salt Lake City entdeckte, sein Potential als Schlittenhund erkannte und für $ 2,50 erstand. “Nero”€ war ein riesiger schwarzer Hund mit großem Kopf und Pfoten und ähnelte in seiner Erscheinung einem Staghound englischen Ursprungs. Seine Verpaarungen mit Retrievern, Settern und ähnlichen Rassen brachten Hunde hervor, mit denen ein Siegerteam nach dem anderen bestückt werden konnte. Die Selektion auf Kraft, Ausdauer und Intelligenz schuf schließlich diesen einzigartigen Hundeschlag. Der Targhee Hound wurde nie als Rasse vom  American Kennel Club anerkannt und existiert möglicherweise nicht mehr, aber er hatte mächtigen Einfluß auf die Rennen. Er beeindruckte sogar die Musher in Alaska, die zunächst über ihn spotteten, bis Lloyd Van  Sickle sein Team im Winter 1955 nach Alaska brachte und bewies, dass diese Hunde nicht nur in Idaho der Maßstab waren, sondern auch dort Rennen gewinnen konnten. Einige dieser Hunde wurden dann von Gareth Wright zur Entwicklung seines “Aurora Husky”€ eingesetzt.

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Ab 1924 tauchten die ersten kanadischen Gespanne mit Husky-Hound-Hybriden und Wolfskreuzungen in Ashton auf, und 1930 war erstmals ein “reines”€ Huskygespann am Start - aber die leichteren Setter machten das Rennen. Schon 1928 kam man dort resümierend zu dem Schluss, “ ... dass  gegenwärtig die gekreuzten Labrador Retriever und Irish Setter überlegen zu sein scheinen, wobei die Masse der Rennteilnehmer dazu neigt, ihr Vertrauen in Teams zu setzen, die hauptsächlich aus Labradors bestehen. Der Windhund wurde ausprobiert und als der Aufgabe nicht gewachsen  befunden. Der Canadian Husky wurde im Ashton Race und in anderen Rennen in Konkurrenz zu Bird Dogs eingesetzt, und man stimmte überein, dass fast jedes gute Bird Dog Team den Husky in Distanzen unter 160 Kilometern schlagen kann. Einige Musher haben bis zu Distanzen von 320 Kilometern mit Bird Dogs gearbeitet und sie als Sieger ins Ziel gebracht. Der Alaskan Malamute wurde im American Dog Derby erprobt, und obwohl dieser Hund als Individuum oft der vitalste Teil des Teams ist, neigen die Fahrer aus Idaho dazu, ihn in Sprintrennen von 40 Kilometern für zu  langsam zu halten. Der Dobermann Pinscher ist bei den Idaho-Fahrern ein recht populärer Hund, sowie der Llewellyn und Kreuzungen zwischen dieser Rasse und und dem Chesapeake Retriever sind auch beliebt.”

(entnommen der Race Brochure€ von 1947, zusammengestellt von Lucille Theron Manson)

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Was das Ashton Dog Derby in Idaho für die “unteren 48 Staaten”€ der USA  bedeutet, stellt das Schlittenhunderennen von The Pas in Manitoba für Kanada dar. Seit 1916 findet das Traditionsrennen statt und wird auch heute noch ausgetragen. Die ersten Rennen firmierten unter dem Namen
“The Pas Dog Derby”€, wurden aber bald in “World Championship Dog Race”€ umbenannt.
In den Jahren 1916 - 31 ging die Rennen über Distanzen von 140 bis 210 Meilen (225- 338 km), wobei die Einteilung der Rast- und Fütterungszeiten den Mushern überlassen blieb.
Während der beiden Weltkriege fanden keine Rennen statt, aber seit 1948 ist die  Reihe ununterbrochen. Seit 1976 wird das Rennen als Dreitagesrennen über jeweils 50 Meilen
(80 km) ausgetragen und an allen drei Tagen mit einem Massenstart begonnen.

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Eine weitere Parallele ist die Entwicklung eines eigenen Hundetyps in Kanada. So wie in Ashton die Targhee Hounds, dominierten die frühen Rennen in The Pas die “Canadian Hounds”€ eine Mischung aus Husky und Greyhound.
Herausragender Fahrer dieser Aera war Emile St. Godard, der The Pas 1925 bis 29 fünf mal in Folge gewinnen konnte und damit einen bis heute ungebrochenen Rekord aufgestellt hat.
Neben diesen Siegen in seiner Heimatstadt reiste Godard aber auch zu den  großen Rennen in Quebec und nach Laconia, um sich dort mit der Konkurrenz zu messen. Waren die Temperaturen nicht extrem niedrig oder der Schnee sehr tief, galt er als fast unschlagbar. Emile St. Godard nahm in seiner kurzen Karriere an über 50 Rennen teil, von denen er weit mehr als die Hälfte gewann.
Der prestigeträchtigste Sieg war sicher der im Demonstrationsrennen während der Olympischen Winterspiele von Lake Placid, USA, 1932, was ihn zum ersten Olympiasieger Manitobas machte und ihm posthum einen Platz in Canada´s Sports Hall of Fame einbrachte.

Godard fuhr nicht nur in The Pas, sondern reiste zu den "major races" der damaligen Zeit. Ganz oben auf der Liste stand dort das Musher´s Derby von Quebec, das er zwischen 1925 und 32 sechsmal gewinnen konnte.

Emile St. Godard betrachtete sein Hundeteam als seine Familie und war sehr um ihr Wohlergehen bemüht. Von der Canadian Humane Society wurde er für die vorbildliche Hundeversorgung ausgezeichnet.
Fast genauso berühmt wie St. Godard war während dieser Zeit sein Leithund Toby, halb Husky, halb Greyhound, der unter Schulkindern eine große Fangemeinde hatte. Toby war als Leader für Godard von so großer Bedeutung, dass er seine sportliche Karriere beendete, als Toby keine Rennen mehr laufen konnte.
Als Toby schließlich in New Hampshire starb, berichteten darüber die Tageszeitungen von Boston.

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Godard selbst starb 1948 im Alter von 42 Jahren in The Pas an einer Lungenentzündung.

Das Derby in Quebec findet bis heute im Rahmen des Quebec Winter Carnivals statt und war ein "Big Race": bis zu 50.000 jubelnde Zuschauer schickten die Musher aus der Stadt auf die 3 x 30 Meilen lange Strecke, auf der sie um ein Preisgeld von bis zu 4.000 $ kämpften (das wären heute 50.000 $). Das Rennen von Quebec wirft aber auch ein Schlaglicht auf die damaligen sozialen Verhältnisse, die sich in der Wahl der Hunde manifestierten:

Der Quebec-Hound als Working Class Hero

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Unter den französischsprachigen Kanadiern waren arme Kerle, die die ganze Woche hart mit ihren Hunden arbeiten mussten, um ihr Brot zu verdienen. Der einzige Ausgleich bot sich ihnen, wenn sie nach dem sonntäglichen Kirchgang mit ihren Arbeitshunden Rennen fuhren. In den Adern ihrer Hounds floß bis in die späten 30er Jahre absolut gar kein Husky-Blut, weil ihnen die Huskies zu laut waren und zu schnell wegliefen, was man nicht gebrauchen konnte, wenn man Holz oder andere Dinge zu  transportieren hatte.
Die Schlittenhunderennen waren für die Arbeiterklasse die einzige Mö
glichkeit, sich bei den Reichen Engländern zu revanchieren.
Die gut betuchten englisch sprechenden Musher kauften für viel Geld ganze Teams ein (z.B. Harry Wheeler) oder züchteten neues Blut hinein, um konkurrenzfähigere Teams zu bekommen.
Das war der Zeitpunkt, als der Siberian Husky die Bühne der Rennen in Kanada und den Neu England Staaten betrat. Aber die Rennen verloren sie trotzdem. Die Rivalität zwischen den armen, houndfahrenden Franko-Kanadiern und den reichen, huskyfahrenden Anglaise hätte nicht größer sein können.

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Die Texte stammen aus der Feder von Hendrik Pape,
der sich auch die Mühe gemacht hat, nach entsprechendem Bildmaterial zu suchen.
Vielen Dank an dieser Stelle, dass wir deine Arbeit hier veröffentlichen dürfen!

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